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Wasserkraft und Umwelt

Ob Sonne, Wind, Wasserkraft oder Brennstoffe: Jede Stromproduktion verändert die Landschaft

 

Die beste Energie ist diejenige, die wir nicht verbrauchen. Denn jede Energieform - ob nicht erneuerbare oder erneuerbare - greift in die Natur ein. In Deutschland werden rund 7% des Stroms durch erneuerbare Quellen geliefert. Davon entfallen zwei Drittel auf die Wasserkraft. In Österreich trägt die Wasserkraft mit rund 70% zum Inlandbedarf an Strom bei. In der Schweiz stammen rund 60% des Strombedarfs aus Wasserkraft und nur 0,3% aus Wind-, Biomasse- und Solaranlagen. Die Wasserkraft ist die bedeutendste aller erneuerbaren Energien im Alpenraum. Ihre Auswirkungen auf die Landschaft sind deshalb augenfälliger und treten darum den Menschen auch stärker ins Bewusstsein als die Auswirkungen anderer erneuerbarer Stromproduktionsarten.

 

Zur Wasserkraftnutzung wird Wasser aufgestaut oder umgeleitet, der natürliche Fluss des Wassers wird geändert. Dämme, Stauseen oder Kanäle verändern Natur und Landschaft. Diese Einwirkungen auf die Landschaften werden unterschiedlich bewertet: Gewichtet eine Seite zum Beispiel die Tatsache höher, dass mit Wasserkraft CO2-frei Strom produziert wird, überwiegt für die andere Seite der Umstand der erschwerten Fischwanderung.

 

Die AGAW versucht, einen Ausgleich zu schaffen zwischen den Interessen der Erhaltung natürlicher Lebensräume für Tiere und Pflanzen und den Interessen der Gewässernutzung zur Stromproduktion, zur landwirtschaftlichen Bewässerung oder zur Nutzung als Erholungsraum.

 

Die Mitglieder der AGAW unternehmen viel für eine schonende Nutzung der Wasserläufe

 

Wasser frei fließen lassen
Der Aufstau oder eine Umleitung von Wasser zur Stromerzeugung führen lokal zu geringeren Wassermengen unterhalb einer Wasserfassung. Wieviel Wasser in dieser sogenannten Restwasserstrecke verbleiben muss, regelt die Gesetzgebung. Die AGAW sucht Lösungen, die dem Spannungsfeld Wasserwirtschaft/Stromproduktion/Naturerhalt/Gewässerschutz Rechnung tragen.

 

Wasser vernetzen
Der Aufstau von Flüssen zur Wasserkraftnutzung behindert die Wanderung von Fischen und anderen Wasserorganismen. Wasserkraftanlagen tragen dem zunehmend Rechnung: Beim Bau bzw. der Sanierung von Anlagen werden künstliche Wasserläufe zur Umgehung der Staustufen oder Fischtreppen erstellt, die es den Fischen und der aquatischen Fauna und Flora ermöglichen, ihren Weg am Kraftwerk vorbei fortzusetzen.

 

Kiesige Flussbette fördern
Der Aufstau von Flüssen verlangsamt die Fließgeschwindigkeit und reduziert in der Folge den Kiestransport. Das Flussbett wird zunehmend feinkörnig. An verschiedenen Wasserläufen wird deshalb heute Kies eingebracht, um wieder ein grobkörnigeres Flussbett herzustellen und damit Fischen und anderen im Wasser lebenden Organismen vermehrt Laichmöglichkeiten und Nahrungsgrundlagen zu bieten.

 

Ufer renaturieren
Viele größere Gewässer sind in vergangenen Jahrzehnten stark kanalisiert worden. Oft zunächst zum Hochwasserschutz und für die Landgewinnung, später auch für die Wasserkraftnutzung. Die Folge sind weniger Auenlandschaften und eine Reduktion von verschiedenartigen Lebensräumen im Uferbereich. Die Ziele der Wasserkraftnutzung stehen aber einer maßvollen Renaturierung der Ufer und einem verbesserten Auenschutz nicht entgegen.

 

Die Darstellung auf der vorherigen Seite zeigt: Maßnahmen im Gewässerbereich für mehr Restwasser, Gewässervernetzung, grobkörnigere Flussbette und Renaturierung , wie sie heute im Vordergrund stehen, haben sehr unterschiedliche, zum Teil gegenläufige Auswirkungen.

 

Schifffahrt, Fischerei, Landschaftsschutz, Naherholung und Wasserkraftnutzung: An die Gewässer werden viele, zum Teil entgegengesetzte und auch regional unterschiedliche Ansprüche gestellt. Die Gesetzgebung zum Thema Fischerei und Gewässer hat zum Ziel, diesen unterschiedlichen Ansprüchen Rechnung zu tragen, ohne die Landschaft allzu stark zu belasten. Auf Grund der Vielfalt der Ansprüche lässt das Gesetz Spielräume offen. Innerhalb dieser Spielräume gilt es verschiedene Fragen im offenen Dialog zwischen den einzelnen Interessengruppen sorgfältig abzuwägen und zu klären.

 

Wie viele Schutzzonen und wie viel Raum für Freizeit und Erholung wollen wir?
Renaturierte Zonen sind ein Schritt in Richtung einer ursprünglichen Flora und Fauna. Seltene Pflanzen siedeln sich wieder an, Fische finden verbesserte Laich- und Schutzmöglichkeiten vor. Für Wanderer und Fischer erhöhen sich damit die Attraktivität und der Erholungswert der Landschaft. Anderereseits können Renaturierungen im großen Stil, die also viel Land beanspruchen, dazu führen, dass ein Gebiet überhaupt nicht mehr zugänglich ist. Ein Großteil der Bevölkerung will aber Erholungslandschaften mit dem Auto erreichen können; sei es als Ausgangspunkt für Wandertouren oder Spaziergänge, sei es, um Sportarten wie River Rafting, Biken oder Inline-Skaten zu betreiben. Hier offenbaren sich unterschiedliche Interessenslagen, für die von Fall zu Fall Kompromisse nötig sind.

 

Welche biologische Vielfalt wollen wir?
Die Wasserkraftnutzung verändert Flora und Fauna und hat somit unzweifelhaft Auswirkungen auf die biologische Vielfalt. Urtümliche Landschaften mit Fließstrecken gehen streckenweise verloren, in Restwasserstrecken werden Abfluss und Fließgeschwindigkeit reduziert, Kies- und Sandablagerungen verändern das Flussbett, die Habitate der ursprünglichen Wasser-Lebensräume werden unterbrochen und können nur in veränderter Weise neu verbunden werden.

 

Die Wasserkraftnutzung kann aber auch positive Auswirkungen auf die biologische Vielfalt haben. Durch den künstlichen Aufstau von Flüssen entstehen neue Wasserflächen und Uferzonen. In ihnen kann sich im Lauf der Jahre eine neue Artenvielfalt herausbilden. Die biologische Vielfalt wird in der Folge oft beträchtlich erhöht.

 

Verschiedene dieser neu entstandenen Landschaften sind so wertvoll, dass sie unter Naturschutz gesteilt worden sind.

 

Mit wie viel CO2 wollen wir die Umwelt belasten?
Im Bemühen um den Klimaschutz haben sich auch die Alpenländer im Rahmen des sogenannten Kyoto-Abkommens verpflichtet, die CO2-Emissionen gegenüber dem Stand von 1990 um rund 10-25% zu senken. Wasserkraft kann einen wesentlichen Beitrag zur Erreichung dieser CO2-Reduktionsziele leisten. Denn anders als die fossilen Energieträger, die große Mengen von CO2 und Luftschadstoffen in die Atmosphäre abgeben und den Treibhauseffekt anheizen, ist die Wasserkraftnutzung im Betrieb CO2-frei. Eine Einschränkung der Nutzung der erneuerbaren Energie Wasserkraft hätte somit unerwünschte klimatische Folgen.

 

Welchen wirtschaftlichen Nutzen wollen wir aus dem Wasser ziehen?
Die Wasserkraftnutzung ist gerade für strukturschwache Randregionen von hohem Nutzen: Als wichtige Einnahmequelle sichert sie dem lokalen und regionalen Gewerbe Arbeitsplätze und hat auch im Tourismus vor allem durch die touristische Erschließungen hochalpiner Gebiete viele neue Stellen geschaffen.

 

Wer soll die Kosten tragen, wer von höheren Erträgen profitieren?
In der Bilanzsumme der Elektrizitätswerke steckt ein enormes Anlagevermögen. Am Grundkapital ist die öffentliche Hand (in der Schweiz z.B. mit rund 74%) oft stark beteiligt.

Wenn dieses Volksvermögen nicht aufgezehrt, sondern gesichert werden soll, müssen die Wasserkraftanlagen-Betreiber entsprechende Kapitalzinsen und Rückstellungen für kommende Erneuerungen erwirtschaften können. 

Sinkt der Preis für Strom unter dessen Erzeugungskosten, wird Volksvermögen gefährdet. Dasselbe geschieht, wenn die Produktionskosten durch unangemessene Forderungen von außen erhöht werden, sodass die Erträge die Gesamtkosten nicht mehr decken. Eine Reduktion der für die Stromproduktion nutzbaren Wassermenge senkt zum Beispiel praktisch nur die Erträge, da weder bei den Betriebskosten noch bei den Kapitalkosten (Zinsen und Amortisation) Einsparungen erzielt werden können.

 

Wieviel Wasserkraft sollen wir unseren Nachkommen sichern?
Sinken die Erträge der Stromproduktion der Wasserkraft unter die Gewinnschwelle, so wird nicht nur Volksvermögen vernichtet. Es fehlt in Zukunft auch das Geld, um die Kraftwerke für die kommenden Generationen zu erneuern. Je besser wir heute dafür sorgen, dass Strom aus Wasserkraft marktgerecht angeboten werden kann, um so höher sind auch die Chancen, dass diese wertvolle, erneuerbare und „einheimische“ Energie noch vielen Generationen zur Verfügung stehen wird.